Donnerstag, 15. Juni 2017

Fronleichnam - "Eure Knie sind eure Flügel"

Fronleichnams-Offizium in einem Manuskript des 17. Jahrhunderts
Deine Stimme spricht:
Des Königs Banner wehen:
ich hülle auf das Ewige Geheimnis!
Wie zart umliebt das Licht meine Hände,
wie selig sinkt es nieder!
Nun birgt sich Liebe nur noch mit der Liebe:
im offnen Golde trag' ich sie durch offne Lande!
Ich weiß viele Worte, ihr Menschen,
aber heute müßt ihr knien -
Eure Knie sind eure Flügel!
Gertrud von Le Fort

Die Verse von Gertrud von Le Fort sind unter dem Titel Fronleichnam in ihrem Gedichtzyklus Hymnen an die Kirche zu finden. Im Bild ein Ausschnitt aus dem Fronleichnams-Offizium, entnommen dem Manuskript Alte et Newe Officia, die in die Noten nit aufgesetz waren des Paters Thomas Ferselius OP (1688).

Freitag, 9. Juni 2017

Like-, Link- und Buchtipp

In aller Kürze zur Obacht: Nebst der Facebook-Seite Tridentinische Messe Basel - Die "alte Messe" in St. Antonius (die hier zu liken ich mich freuen würde) ein Hinweis auf eine Buchvorstellung, die dort zu finden ist: Logik der Liebe von P. Martin Ramm FSSP. Die Schrift kann kostenfrei bezogen werden; alles weitere dazu hier.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Maria - Königin ob der absoluten Gewalt der Hingabe

Maialtar 2017 - Pfarrkirche St. Katharina, Gütenbach im Schwarzwald
Die Welt kann zwar durch die Kraft des Mannes bewegt werden,
gesegnet aber im eigentlichen Sinne des Wortes
wird sie immer nur im Zeichen der Frau.
Die Hingebung an Gott
ist die einzige absolute Gewalt,
die das Geschöpf besitzt:
nur die "ancilla Domini" ist die "regina cœli".
Gertrud von Le Fort
Bild: Maialtar in der Pfarrkirche St. Katharina zu Gütenbach im Schwazwald. 

Samstag, 27. Mai 2017

Auf dem Weg zum Balzer Herrgott

Balzer Herrgott bei Gütenbach im Schwarzwald
Doch sieh, der Baum umfangen hält
das viel verachtet Bild aus Stein
und nimmt ihn ganz in sich hinein,
den Schmerzensmann, den Herrn der Welt.
Denkspruch auf einer Tafel beim Balzer Herrgott
Auf einem Bergkamm über Gütenbach im Schwarzwald befindet sich eine sogenannte Weidbuche, die in ihrem Holz eine Christusfigur birgt, den Torso des Gekreuzigten - den Balzer Herrgott. Die Herkunft des Bildes liegt im Dunkel der Vergangenheit; wohl stammt er von einem alten Weg- oder Hofkreuz und wurde, bar der Arme und Beine, zwischen die Stämme der Buche gestellt, welche der Baum mehrfach ausgebildet hatte. Seither umwächst das Holz Jahr um Jahr des Heilands Bild, und es wäre wohl kaum noch zu sehen, hätte man nicht vor Jahren zumindest den Bereich um das Haupt zurückgeschnitten. Am vergangenen Freitag hatte ich mich auf Weg zum Balzer Herrgott gemacht.

Solche "Touren" plane ich in der Regel entweder minutiös oder so gut wie überhaupt nicht. Letzteres war diesmal der Fall - ich dachte, der Weg würde gewiß gut ausgeschildert und das Ziel kaum zu verfehlen sein. Verfehlt hatte ich es dann auch nicht; mich verlaufen jedoch trotzdem. Ein Wegweiser hieß mich beim Start einer gelben Raute folgen; nach rund dreieinhalb Kilometern sollte ich vor dem Balzer Herrgott stehen. Der Weg zog sich hin, das Ausbleiben einer harschen Steigung zum Auftakt, von der ich im Vorfeld gelesen hatte, ließ mich zwar leicht stutzig werden, doch zuerst war's mir mit dem sanften Auf und Ab recht, zumal weite Strecken im Schatten lagen und sich zur Seite immer wieder das Tal dem Blick öffnete. Doch je länger ich ging, desto mehr mißtraute ich meinen Schritten. Sollte ich nicht längst mein Ziel erreicht haben? Wo könnte der Wanderparkplatz abgeblieben sein, an dem mich die gelbe Raute vorbeiführen sollte? Hatte ich vor einer guten halben Stunde, als ich schon einmal kurz gestutzt hatte, die Wegweisung nicht richtig gedeutet und den falschen Pfad eingeschlagen?

So marschierte ich weiter, des Weges zunehmend unsicher, und grübelte. ob ich nicht besser umkehren sollte ... diese Kurve noch, nun gut, die nächste auch ... und vor meinem inneren Auge hatte ich plötzlich das Bild des Balzer Herrgotts, dieses aus dem Holz sich ringende Haupt, und im Gemüt ein Wort aus Psalm 26, das mir tags zuvor bereits aufgefallen war, nachdem ich einen Blick auf den Introitus des Sonntags nach der Himmelfahrt des Kyrios geworfen hatte: "Zu dir spricht mein Herz: Ich suche dein Antlitz, dein Antlitz, Herr, will ich suchen". Das Wort begleitete mich in meinem Zweifel, ob der eingeschlagene Weg noch der rechte sei, auch wenn ich mich ärgerte, womöglich eine falsche Richtung eingeschlagen, mich ärgerte, diese kleine Tour nicht besser vorbereitet zu haben, mich ärgerte, eher orientierungslos statt zielgerichtet auf irgendeinem dusseligen Waldweg herumzulaufen. Nach der nächsten Kurve "kehrst du um", sagte ich mir, und suchst einen anderen Weg. Zum Glück tat ich so dann doch nicht, denn eine erneute Biegung weiter stand ich bald vor einem Wegweiser: Gütenbach mit Balzer Herrgott, vier Kilometer. Ich wurde freilich auf einen ungemütlichen Pfad geschickt, der steil an Höhe gewann. Der Verlauf dieser kleinen Wanderung - ich keuchte und kroch jetzt den Berg hoch - begeisterte mich in diesem Augenblick wenig. Sicher: Ich war wieder in eine Spur gekommen, aber lauter Freude fand ich keine daran. In den Schenkeln zuckten die Muskeln, miese Kondition und mangelndes Training schlugen voll auf. 
Zu dir spricht mein Herz:
Ich suche dein Antlitz,
dein Antlitz, Herr, will ich suchen.
Keine Ahnung, was sich der Psalmist gedacht hatte, als er davon schrieb, nicht nur das Antlitz des Herrn zu suchen, sondern es suchen zu wollen. Der Exeget nennt das wohl einen parallelismus membrorum, aber mir schien der biblische Autor allzu gut zu wissen, daß dieses Suchen in der Tat und vor allem eine Frage des Willens und Wollens, eine Frage des Geistes ist, mithin herausfordernd gegen alles Fleisch und mancherlei Bequemlichkeit. Nicht zuletzt hielt mich das Antlitz des Gekreuzigten in seinem Stamm auf den Beinen und trieb mich voran. Das so zu sagen mag, zugegeben, ein wenig überzogen fromm scheppern, und es hätte gewiß letztlich nicht Bildes noch Baumes bedurft, einen solchen Weg (besser trainierte Zeitgenossen dürften sich ohnehin drüber necken) zu zwingen - aber vielleicht teilt jemand meinen Eindruck, daß einem manchmal eine Unruhe packt, ein Vorwärts-Kommen-Wollen um eines bestimmten Zieles willen. Wie auch immer ... plötzlich hatte der Weg den Kamm erreicht, die Steigung wurde ruhiger, den einen und anderen Meter noch - und ich stand vor dem Balzer Herrgott. Das Antlitz, das ich suchte. Das Antlitz aus armem Stein, von Menschenhand behauen, durch das hindurch Gottes Leiden-Schaft, die Liebe Gottes auf uns Menschen schaut.


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Übrigens: Der Weg, der sich als Kurzfassung einer Rundwanderung erwies, welche ich gegen die übliche Richtung einschlug, und über dessen Verlauf ich mich zunächst wunderte, dann ärgerte, dieser Weg erwies sich zwar als der längere, aber auch als der schönere Gang zum Balzer Herrgott - im Vergleich zur gegenläufigen Route, die mich nach Gütenbach zurück brachte. Vielleicht mag auch dies etwas für den Weg unseres Lebens, für den Weg mit Gott, den Weg zu Gott ... bedeuten.

Samstag, 22. April 2017

Tagessplitter: FAZ kanzelt ab

Ein kurzer Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen kritisiert das Schweigen zum islamischen Terror (hier) seitens kirchlicher Kreise (die sich gegen die AfD gerade mächtig ins Zeug legen, was in der Zeitung aber als "billiger Protest" abgekanzelt wird). 
Das ist natürlich alles absolut allerübelste Nachrede! Der sogenannte islamistische Terror wird kirchlicherseits keineswegs beschwiegen - zahllose Beschwichtigungen nach einschlägigen Attentaten lassen sich ohne Not recherchieren! Und zu erinnern ist ferner der Altvorderen Weisheit:

DE MORTIFERIS NIL NISI BENE.

Freitag, 21. April 2017

Und noch einen anderen Weg kenn ich keinen: Nach Emmaus gehen

Christus mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus - Glasfenster im Münster zu Straßburg
Doch ohne große Opfer gibt es keine großen Siege ...
Wir hören kein "Nein",
kein "Das geht nicht",
kein "Der Weg ist zu weit",
denn nur mit Blut, Schweiß und Tränen
bezahlt man die Unendlichkeit.
Und noch einen anderen Weg kenn ich keinen
.
"Erfolg ist kein Glück" von Deutschrapper Kontra K
Unsere Stadt sei, so der hl. Johannes Chryostomos, im Himmel ... "das Gegenwärtige ist der Weg dahin. So lange wir leben, so lange setzen wir unseren Weg fort" (2. Predigt vom Fall des Eutropius). Binsenweisheit? Schließlich wissen wir doch alle, daß der Christ hier im Leben beständig unterwegs sein soll zu Gott: ein homo viator, ein Mensch der Pilgerschaft. Man kann der Aussage auch anders begegnen, sie als Frage an sich selbst verstehen ... "Solange wir leben, so lange setzen wir unseren Weg fort" ... tun wir das? Und selbst wenn wir uns auf diesem Weg wissen ... sind wir dann mehr Getriebene im Strom der Zeit, hin und wieder geneigt, die eigene Ohnmacht religiös zu überhöhen? Oder sind wir uns dieser Weghaftigkeit des Lebens zwar bewußt, können aber unseren Frieden damit nicht finden, weil wir des Weges und aller Um- und Irrwege, der jahrlangen Wanderung und aller Erschöpfung leid sind? Oder sind wir Wanderer, die sich über allem ein Auge für das Ziel bewahren (können) und diesem Ziel Schritt um Schritt nahe kommen? Die Wahrheit dürfte - im besten Fall - irgendwo in der Mitte von allem zu finden sein.

Am Ostermontag hörten wir das Euangelion von den Jüngern, die sich auf dem Weg nach Emmaus befanden (Lk 24, 13-35) - ein Weg der Ernüchterung, der Enttäuschung. Die Tristesse der Szene kann man sich nicht dunkel genug ausmalen, denn Kleophas und Lukas (die Tradition identifiziert den zweiten Jünger u.a. mit dem berichtenden Evangelisten) sind nicht nur Zeugen der schmachvollen Hinrichtung Jesu, sondern schrammen auch haarscharf am Osterglauben vorbei. Sie erzählen ihrem unbekannten, oder besser: ihrem unerkannten Weggefährten ja selbst von der "Aufregung", welche die Frauen mit ihrer Botschaft vom leeren Grab in den Jüngerkreis getragen hätten. Was aber ist schon ein leeres Grab? Also machten sie sich auf den traurigen Weg nach Emmaus, also warten sie nicht die weitere Entwicklung ab, also begruben sie ihre Hoffnung: "Ihre Augen waren gehalten" sagt das Euangelion. Heute würde man das womöglich "Tunnelblick" nennen.

Wer aber "hielt" ihre Augen? Der Herr, der sich zu ihnen gesellte, wie der hl. Gregor der Große schreibt, weil die beiden Jünger über ihn sprachen, sich ihnen aber unerkennbar hielt, weil sie zweifelten. Und man kann noch weiter fragen ... wer ließ sie Jerusalem verlassen und führte sie auf den Weg nach Emmaus? Und wieder heißt, denke ich, die Antwort: Der Herr. Denn am Ende dieses Weges wollte sich Gott ihnen offenbaren, wollte sich der Auferstandene ihnen in einer tiefen Geste bezeugen, die auch uns in heiligem Mysterium zur Versicherung seiner Gegenwart werden wird. Aber zuerst mussten die Jünger mit ihm diesen traurigen Weg zurücklegen, mußten mit der Enttäuschung fertig werden, die Anfechtung aushalten.
... denn nur mit Blut, Schweiß und Tränen
bezahlt man die Unendlichkeit.
Und noch einen anderen Weg kenn ich keinen.
Der Emmausweg - vielleicht ist auch er gemeint, wenn der Kyrios uns den Vater zu bitten lehrt: Et ne nos inducas in tentationem - führe uns nicht in Versuchung. Führe uns nicht an die Grenzen unseres Glaubens, gerade wenn dein Wille geschieht im Himmel wie auf Erden. Doch wenn du uns diesen Weg führst, dann gib uns das tägliche Brot, wie einst der Engel den seiner Sendung und seines Weges müden Propheten Elias am Berg Horeb anrührte, ihm Brot und Wasser reichte und sprach: "Steh auf und iss, sonst ist der Weg zu weit für dich" (3 Kg 19, 7). Doch Elias war nicht der erste Mensch, der auf wunderbare Weise am Horeb durch Gott gestärkt wurde - zuvor haderte an diesem Ort bereits das Volk Israel mit dem Herrn, durstig von den langen Reisen durch die Wüste, bis Gott zu Moses sprach: "Siehe, ich werde dort vor dir an dem Felsen des Horeb stehen! Wenn du auf den Felsen schlägst, wird aus ihm Wasser hervorquellen, und das Volk kann trinken" (Ex 17, 6). "Der Fels aber", so wird Paulus später an die Korinther schreiben, "war Christus" (1 Kor 10, 4).

Müdigkeit, Ver- und Überdruss, Hadern mit Gott: all das ist auch der Weg nach Emmaus. All das ist auch der Weg des Christen, auch unser Weg - durch die Erbarmung Gottes gewiß nicht immer, aber zuweilen. Den Jüngern gesellte sich der Kyrios zur Seite und stärkte sie mit seinem Wort, auch wenn sie ihn noch nicht erkannten. Die Augen gingen ihnen auf, als er ihnen das Brot brach. Sie aßen und standen auf, und der Weg nach Jerusalem war ihnen nicht zu weit, um den Elfen und den versammelten Gefährten zu berichten, was unterwegs geschehen war und wie sie den Auferstandenen am Ende des Weges nach Emmaus erkannt hatten.
Denn Flügel wachsen einem nur,
wenn man den Mut auch hat und springt.
Wenn ich stürze, bleib ich liegen,
steh ich härter auf und fliege.
Nur wer Angst hat vor dem Fall,
muss ein ganzes Leben kriechen.
Geh nie auf die Knie, der Blick immer Richtung Sonne,
den Anblick speichern für den Fall,
dass es mal länger blitzt und donnert.
Auch wenn man einmal verliert,
muss man besser zurückkommen als man ging.
Bild: Christus mit den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus - Glasfenster (im Biblia-Pauperum-Zyklus) im Münster Unserer Lieben Frau, Straßburg. Ein Musikvideo zu Erfolg ist kein Glück von ist hier zu finden.

Sonntag, 16. April 2017

Ostern in der Zeit und auf die Ewigkeit hin

Auferstehung Christi - Glasfenster in der Abendmahlskapelle des Freiburger Münsters
Die kleinen Scheiben mit Passions- und Ostermotiven, die seit einigen Jahren in der Abendmahlskapelle des Freiburger Münsters wieder zu sehen sind, galten eigentlich als verloren; derweil nämlich die mittelalterlichen Fenster während des Zweiten Weltkriegs in Sicherheit gebracht wurden, beließ man sie, Zeugnisse der Kunst der 19. Jahrhunderts, an Ort und Stelle. Der Druck der um das Münster 1944 niedergegangenen Bomben zerfetzte die Motive; doch las jemand die Scherben zusammen und bewahrte sie auf. Jahrzehnte später wurden sie neu gefügt und restauriert; die Narben jener Nacht im November sieht man bis heute.

Auch das ist Ostern - unser Ostern, das noch bis auf diese Stunde vom Weltgeschehen überschattet ist: Ostern mit Narben. Ostern zum Beispiel bei den koptischen Christen in Ägypten. Ostern etwa mit dem Mann, der heute morgen auf den Straßenbahngleisen lag. Ostern der angefochtenen Seelen. Doch die Zeit dieser Welt läuft ab - für jeden von uns und für die Geschichte, in der wir uns bewegen. Das Leben ist unaufhaltsam. 

Bomben, die in Kirchen - oder wo immer sonst - gezündet werden, sprechen nicht gegen das Leben, können sich nicht gegen das Alleluja dieser Tage wenden. Sie sprechen von den Narben dieses Aions. Denn gerade auf dem Hintergrund der Verheißung und Entfaltung des Lebens, des ewigen Lebens, in das der Kyrios Christus uns voran schreitet, treten die Narben der Zeit deutlicher als sonst zu Tage - das soll uns nicht irritieren.

Vor deinem Licht, das emporsteigt, ist alles Wüste! (Paul Claudel)

Gesegnete und frohe Ostern!

Freitag, 7. April 2017

... denn sie werden andere trösten!

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¶ Gotisches Vesperbild in der Pfarrkirche St. Peter und Paul, Freiburg-Waltershofen. Der Beitrag ist auch hier zu finden.

Samstag, 25. März 2017

Jetzt steckt Gott mittendrin in der Welt

Verkündigung - Tafel eines siebenteiligen Flügelaltars, oberrheinisch um 1460 - Augustiner Museum Freiburg
Gestern las ich in einer Predigt des Bischofs Abraham von Ephesus (ein Heiliger aus dem 6. Jahrhundert) folgenden Satz:
Der einst aus Erde Adam formte,
bekleidet sich heute mit seiner Schöpfung.
Deus incarnatus est - Gott fleischt sich ein, nimmt einen Leib von dieser Erde, steigt in seine Schöpfung so weit und tief hinab, daß er in Jesus von Nazareth ein Teil von ihr wird. Er schaut nicht "von oben" auf seine Schöpfung, auf seine Geschöpfe, sondern er steckt mittendrin in dieser Welt.

Nun kam mir heute noch ein Wort des Jesuiten Alfred Delp unter die Augen. Es beschreibt eine Versuchung, der kirchentreue Katholiken meines Dafürhaltens gern zuweilen unterliegen:
Man distanziert die übernatürliche Wirklichkeit des Christentums zu weit weg von den Tatsachen der Schöpfung, so daß diese beinahe nicht mehr gewertet werden. Die Geschichte wird nicht mehr zum Ort des Reiches Gottes, sie ist beinahe vom Übel. Es wird plötzlich ein Mißtrauen gegen die natürlichen Fähigkeiten des Menschen laut. Die Erde wird gleichsam freiwillig geräumt.
Man könnte das auch die Häresie der Dekarnation nennen. Wir reißen Christus sozusagen das Fleisch vom Leibe, das Sich-Einlassen auf den Menschen und auf dessen Welt, in der so viel schief läuft. Gerade in unseren traditionsverbundenen Kreisen existiert eine gewisse Mentalität, für die alles, was nicht nach Weihrauch riecht, im Zweifelsfall von Übel ist. Wir kennen doch diese Versuchung, angesichts des Affentanzes der Moderne so vieles und so viele Seele für "verloren" zu erklären, oder? Von irgendeiner "guten alten Zeit" zu träumen (wobei man drauf wetten mag, daß die Altvorderen jener "guten alten Zeit" ihrerseits von noch viel älteren und besseren Zeiten träumten)? 

Man glaubt, sich den Möglichkeiten dieser Welt verweigern zu sollen und vergisst, daß jedes Feld, welches wir räumen oder überhaupt nicht bebauen, im Zweifelsfall von einem anderen besetzt und beackert wird. Natürlich ist der Jammer groß, den wir anstimmen, sobald wir durch die Pfützen unserer Zivilisation waten müssen, durch die Städte wandern, die Illustrierten aufblättern und die Bildschirme beglotzen: alles Dreck da draußen, Schmutz, Schund, Porno, Müll und Sünde - zugegeben, ich spitze jetzt etwas zu. 

Aber oft sind nicht die Pfützen das Problem, nicht die Städte, der Buchdruck oder irgendwelche Medien, sondern die Inhalte. Andere setzen diese gemäß ihrer Agenda von Profit oder Ideologie und machen publik, was die Kasse füllt oder die Menschen verdirbt, während wir unsere Wunden lecken, ein wenig im Gebetbuch schnuffeln, fallweise womöglich "sühnend" auf den Knien rutschen, vielleicht auch den wohligen Schauer der Katastrophe genießen und dabei alles vor die Hunde gehen lassen.

Dafür ist Christus nicht Mensch geworden. Dazu hat die allheilige Jungfrau nicht Ja gesagt.

Pater Delp SJ - zu seiner Zeit alles andere als ein (falsch) verweltlichter Kirchenfunktionär, sondern ein Mann von Gebet und Tat, kurz vor Ende des Dritten Reiches hingerichtet, weil er gegen jenes "Reich" für das Reich Gottes arbeitete - schreibt weiter:
Der gegenwärtige Christ muß ein Christ des vollen Besitzes sein. Wir müssen in jeder Zeit stehen mit dem Bewußtsein, daß jede echte Wirklichkeit uns gehört, vom Herrn und Vater her, als Besitz und Auftrag.
 Bild: Verkündigung (Ausschnitt) - Tafel eines siebenteiligen Flügelaltars, oberrheinisch um 1490; einst im Dominikanerinnenkloster Adelhausen, heute im Augstiner Museum Freiburg.

Montag, 20. März 2017

Te Joseph celebrent ... zurück in der Blogozese

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In den vergangenen Wochen war er etwas sehr ruhig auf dieser Seite; das nun sollte sich allmählich wieder ändern, hat aber auch etwas mit einigen Umtrieben auf Facebook zu tun. Wer immer dort ebenfalls unterwegs ist, den möchte ich zum Liken - und nach Lust und Laune Teilen - ermuntern, denn einerseits wurde dort jüngst eine Seite zur Messe im überlieferten Ritus, wie wir sie jeden Sonntag in der Basler Pfarrkirche St. Antonius feiern, aufgeschlagen (hier) - und andererseits gibt es in der Fastenzeit täglich einen Impuls von Odo Casel OSB (hier). Schaut einfach mal vorbei ...

Allen ein gesegnetes Fest der heiligen Joseph: Er schütze die Kirche in dieser Zeit, erhalte uns die Kardinäle Burke, Sarah, Caffara samt einigen anderen viri probati in fide und erwirke durch seine Fürsprache dem Heiligen Vater Papst Franziskus Segen und Einsicht!

Freitag, 6. Januar 2017

Wir sind die Spiegel Seines Lichtes - Epiphanie

Weihnachtskrippe - Pfarrkirche St. Michael, Freiburg-Haslach
Denn wir müssen ... über das Gegenwärtige hinausblicken auf das Ende ... die Geheime Offenbarung schildert uns das Ende mit den Bildern des Epiphaniefestes: Das neue Jerusalem steigt vom Himmel herab, eine bräutlich geschmückte Stadt, die weder Sonne noch Mond braucht, weil das Lamm ihre Leuchte ist. Und die Könige und Völker der Erde ziehen ein durch die nie geschlossenen Tore und bringen ihre Herrlichkeit und ihren Ruhm in die erhellte Stadt.
Gut biblisch also haben unsere Vorfahren gedacht, als sie vom "Dreikönigsfest" sprachen. Die Weisen des Evangeliums sind tatsächlich die Spitze des Zuges, in dem einst alle Könige der Erde zur Huldigung ziehen werden. Dann wird auch alle Herrlichkeit der Schöpfung, Leben, Macht, Schönheit, Weisheit zu Gott heimkehren, verwandelt, aber nicht ausgelöscht.
Es ist wahr, daß für jetzt der Mensch immer noch seine Selbstherrlichkeit suchen kann, von der die Schrift sagt, daß sie wie Gras dahinwelkt. Aber alles, was sich Gott zuwendet, kehrt auch heim. Und es kommt die Vollendung, die ungetrübte Epiphanie, der Durchbruch der Lichtherrlichkeit Gottes.
Bis dahin aber wird kein Stern mehr zu dem König führen, sondern das Licht des Herrn - soweit es widerstrahlt in Seiner Kirche und in unserem Leben. Für jetzt, sagt der Apostel, schauen wir noch wie durch Spiegel. Dann aber heißt Christsein: Wir sind die Spiegel Seines Lichtes für alle, die Ihn suchen.
Und weniger dürfen wir nicht von uns fordern! Denn der Christ ist kein Versteck und keine Zuflucht, wo sich Christus vor der bösen Welt verbirgt. Er ist das Tor, durch das der König der Herrlichkeit einziehen will. Er ist die Straße des Königs in diese unsere heutige Welt. Er ist der Herold für die Ankunft Seiner unverhüllten Herrlichkeit.
Alfred Kardinal Bengsch: In Erwartung der Wiederkunft. Berlin 1966. S. 142 f. - Bild: Weihnachtskrippe in meiner Pfarrkirche St. Michael, Freiburg-Haslach.